Inas Kolumne: Ich bin auch ein Star – wer holt mich hier raus?
… wird sich mancher stressgeplagter RTL-Zuschauer bei der Beobachtung der Dschungel-Camper schon gefragt haben. Keiner! Wir werden nicht raus gewählt, stattdessen stellen wir uns weiter mutig den Herausforderungen unseres Alltags und lassen uns abends von Sonja, Dirk und den Dschungel-Helden unterhalten.
Mit der Sendung indessen ist es wie mit der Bildzeitung, keiner kauft bzw. sieht sie, aber alle wissen, was drin steht oder im australischen Regenwald – zurzeit im wahrsten Sinne des Wortes – so abgeht. Die Einschalt-Quoten sind utopisch und jeder fragt sich, wer die Millionen von Zuschauern sind, die sich das regelmäßig antun. Ich zum Beispiel gehöre dazu.
Was fasziniert uns so, wenn wir beobachten, wie die – größtenteils selbsternannten Stars – Würmer frühstücken oder fette Spinnen über sich krabbeln lassen? Ist es der Gruselfaktor oder das voyeuristische Vergnügen, die C-Promis leiden zu sehen? Wahrscheinlich von jedem etwas; die Schikanen wecken die Schadenfreude in uns und damit ließ sich schon immer gut Kasse machen, nicht nur in Reality-Shows, sondern auch in Filmen. Ich erinnere da z. B. an den kürzlich wieder gezeigten Film mit Till Schweiger „Wo ist Fred“. Durften wir uns doch da glatt weglachen über die diversen Missgeschicke von Fred in seinem völlig überflüssigen Rollstuhl. Vor allem, als er mit selbigen die Wendeltreppe herunter rauschte habe zumindest ich mich vor Lachen nicht mehr halten können.
Solche Filme gab es übrigens auch früher schon. Erinnern Sie sich noch an „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Ornella Muti und Adriano Celantano? War das nicht echt witzig, als er beim Stummfilm in Tränen ausbrach und sie ihm versuchte beizubringen, was Situationskomik ist? Vor allem, als sie einige Tage später auf der Treppe ausrutschte, stürzte und er sich oben auf der Treppe schier kaputt lachte, konnten wir uns doch das Lachen auch nicht verbeißen oder?
Und so hält sich auch jetzt unser Mitleid in engen Grenzen, wenn wir miterleben dürfen, wie der brasilianische Fußballstar (vor allem mit einem deutlichen Fußballstar-IQ) um Anrufer ringt, der Promi-Sohn und das Küken verliebt zur nächsten Dschungel-Prüfung antreten und die Exhibitionistin weiter versucht, mit ohne Stoff (oder nur sehr wenig davon) auf sich aufmerksam zu machen. Letztere überrascht immer wieder dadurch, dass sie neben Brigitte Nielsen die einzige von den Campern ist, die wirklich Größe zeigt und mit Charme und Witz den nassen Dschungel meistert.
Ich jedenfalls hab vollstes Verständnis dafür, dass außer dem Schweizer jetzt alle ins Finale wollen und ganz wild auf die ausgeschriebene Prämie im wilden Dschungel ausharren wollen. Und ich stehe durchaus auch dazu, dass mir Schadenfreude Spaß macht.



